Unkonventionelle Erdagsgewinnung soll in Deutschland erschwert werden
01.08.2011, Es klingt wie eine Verheißung: Durch unkonventionelle Methoden der Erdgasförderung sollen neue Lagerstätten erschlossen und die weltweit verfügbaren Reserven nahezu verdoppelt werden. Fracking heißt das Verfahren, das die USA mittlerweile zum größten Gasproduzenten noch vor Russland katapultiert hat. Dabei kann in Schiefergestein gebundenes Erdgas durch Horizontalbohrungen und einen in das Gestein gepressten Wasser-Chemikalien-Mix freigesetzt und gefördert werden. Während in den USA bereits bis zu 40 Prozent des Erdgases aus solchem shale gas bestehen, werden auch klassische Erdgasimporteure wie Deutschland hellhörig, denn an Lagerstätten mangelt es auch hierzulande nicht.Doch dem Boom von shale gas stehen ernste Bedenken im Wege. Erste Bürgerinitiativen formieren sich gegen Probebohrungen in Deutschland. Sie befürchten durch die in den Boden gepressten Chemikalien Auswirkungen auf Boden und Trinkwasser. In der Tat sind die Umweltfolgen noch weitgehend unerforscht. Aus den USA werden Vorfälle mit mit Methan versetztem Trinkwasser gemeldet. Nachdem nun auch das Umweltbundesamt in einem internen Bericht vor den Risiken des Fracking gewarnt hat, wie die Westfälischen Nachrichten berichteten, wird auch die Politik aktiv.
In der letzten Woche haben sich nach WDR-Informationen die Koalitionsfraktionen im Bundestag auf eine Veschärfung des Bergrechts geeinigt, die in nächster Zeit in den Bundestag eingebracht werden könnte. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat nachgelegt, und das Fracking in Deutschladn quasi auf Eis gelegt. Gegenüber den Westfälischen Nachrichten erklärte Röttgen, er werde eine „umfangreiche“ Expertise in Auftrag geben, um die Wissenslücken über die Umwelteinwirkungen der umstrittenen Fördermethode zu schließen. „Bis wir gesicherte Erkenntnisse gewonnen haben, wird es einige Zeit dauern. Und vorher kann Fracking nicht stattfinden“, so Röttgen im dem Interview. Er schloss weiterhin aus, dass Fracking stattfinden könne, wenn nicht alle Risiken ausgeschlossen seien.
Zudem griff Röttgen eine Forderung des Umweltbundesamtes auf, das Umweltverträglichkeitsprüfungen bei jeder geplanten Bohrung gefordert hatte. Die Behörde aus Dessau-Roßlau hatte weiterhin verlangt, Bohrungen in Trinkwassereinzugsgebieten grundsätzlich auszuschließen, sowie die Offenlegung aller zu verwendenden chemischen Substanzen und den Nachweis über die korrekte Entsorgung des Fördergemisches, für das es bisher keine geeignete Entsorgungsmöglichkeit gebe.
Zwar steht die von Umweltminister Röttgen in Aussicht gestellte Studie zu den Umweltfolgen von Fracking noch aus, doch dürfte die erhöhte Aufmerksamkeit für die Umweltfolgen der Technologie eine Nutzung in Deutschland erheblich erschweren.
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